Stirb – roter Faden!

Erst reißt mein eigentlicher Antagonist nicht nur in den ersten Kapiteln die ganze Aufmerksamkeit an sich, sondern geht auch noch einfach weiter seinen eigenen Weg, dann ändert sich irgendwie plötzlich der Handlungsstrang, weil meine beiden Hauptfiguren unbedingt ihre eigenen Köpfe durchsetzen wollen … Macht hier eigentlich überhaupt noch jemand, was ich sage?  😀

Dabei hatte ich ja für mein zweites Buch ursprünglich einen so schönen roten Faden gestrickt: Figuren, Handlungsstrang, Handlungsorte … Hm. Und dann passiert es, dass sich die Figuren verselbständigen, dass sich Handlungen ergeben, die ich nicht kommen gesehen habe, oder sich plötzlich Situationen entwickeln, die gar nicht geplant waren. Ich hatte es ja schon in meinem vorigen Kommentar erwähnt, dass mein Schreibfreund im Grunde absolut recht hat: spontanes Schreiben ist einfach besser, kreativer und ganz ehrlich: macht weitaus mehr Spaß!

Daher habe ich mich entschlossen, meinen roten Faden kurz und klein zu schnippeln und die Geschichte einfach frei laufen zu lassen, mal sehen, wohin sie sich entwickelt. Und das Schöne ist: seitdem läuft das Schreiben weitaus flüssiger, die Ideen kommen aus der Situation heraus, ohne viel Planung und ohne die Frage: „Oh je, wie bekomme ich diese neue Wendung wieder mit meinem roten Faden verknüpft?“

Sinn und Zweck des roten Fadens war ja ursprünglich, dass ich unbedingt vermeiden wollte, dass das zweite Buch nur ein Abklatsch des ersten werden würde. Aber die Sorge kann ich bereits jetzt mit gutem Gewissen streichen: ich habe schon so viele Szenen geschrieben die von dem ersten Buch weg in eine ganz andere, neue Richtung gehen und weitere Entwicklungen erfordern, dass das gar nicht mehr passieren kann. Auch landschaftlich habe ich zwei weitere Handlungsorte hinzugefügt, die mich total faszinieren – ich hoffe dem Leser geht es dann später genauso 😉 .

Jetzt bin ich selbst schon gespannt, wohin sich das Buch, nun, da es keinen roten Faden mehr hat, entwickelt. Und erst am Ende, wenn alle wild wuchernden Gedanken ausgesponnen sind, werde ich die Geschichte dann nochmal auf den Prüfstand stellen und akribisch filzen – aber bis dahin lasse ich allen Ideen freien Lauf   😉

1. August 2015