Charaktere

Ich weiß nicht, wie andere Schreiberlinge das machen, aber ich hatte damals, als ich anfing, das dringende Bedürfnis, mir ein möglichst genaues optisches Bild von meinen Figuren zu machen. Dazu habe ich erst einmal Bilder von Schauspielern mit einem bestimmten Gesichtsausdruck, welche der Vorstellung vor meinem inneren Auge möglichst nahe kamen, ausgedruckt und in mein Notizbuch geklebt. Manchmal hat ein einzigen Bild ausgereicht, um bei mir einen ganzen Wasserfall an Reaktionen zu triggern – und dementsprechend kam die Figur dann nach und nach zu ihrem Profil. Es kam sogar vor, dass ich ein Bild fand, bei dem ich mir dachte: das passt jetzt zu keinem meiner Charaktere, aber genau dazu möchte ich eine neue Figur kreieren und in die Geschichte schreiben (das passierte beispielsweise bei Lady Cora).
Die Namen der Figuren sind alle willkürlich gewählt worden, nur bei einem lief es irgendwie ganz anders: Geb. Manch einer wird sich bestimmt fragen, wo dieser Name denn wohl herkommt. Als der Schmied vor meinem inneren Auge langsam entstanden ist, dachte ich an einen Mann, der nicht nur stark ist, sondern auch Stärke und Souveränität ausstrahlt. Jemand, der nicht lange Reden hält, sondern der konsequent handelt, wenn es darauf ankommt. Und da war er: Geb, der Teamleader aus der leider viel zu kurzen, aber erstklassigen deutschen Serie GSG 9. Nachdem mir spontan einfach kein passender Alternativname einfallen wollte, habe ich den Namen erst mal vorübergehend gelassen, eigentlich in der Absicht, ihn dann später noch anzupassen. Hm, später ist jetzt irgendwie schon vorbei, oder?  Tja, und nun hab ich mich einfach schon so dran gewöhnt.
Das alles reichte aber noch nicht. In einem wirklich ausgezeichneten Buch über das Schreibhandwerk habe ich einmal einen sehr guten Hinweis gefunden: du musst deine Figuren genau kennenlernen, darum leg sie dir auf die Psychiater-Couch. Analysiere sie, lass sie mit dir sprechen. Das nochmal auf Anfang zurückzudrehen, würde nun nicht mehr funktionieren, aber vielleicht hat ja der ein oder andere Spaß daran, ihnen jetzt, nachdem das Buch zu Ende ist, noch einmal auf besagter Couch für einen kurzen Augenblick zuzuhören.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte sich das Anklicken der Figuren vielleicht besser für später aufbewahren, um sich nicht die Spannung zu verderben. Doch das, lieber Leser, musst du natürlich allein entscheiden  🙂

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