Krimi-Dinner

Warum muss die Vorweihnachtszeit eigentlich immer so hektisch werden? Mein Plan, im Urlaub den zweiten Teil von Skadlaris im Entwurf zu Ende zu bringen, ist komplett zu Asche zerfallen, nicht eine einzige Seite hab ich daran weiter geschrieben! ABER dafür ist das Theaterstück super gelaufen 🙂 .

Die Geschichte war ja im Rohentwurf von der Geschäftsleitung bereits abgesegnet worden. Womit allerdings weder die Geschäftsleitung, noch ich gerechnet hatten, waren die vielen Veränderungen, die das Stück im Laufe der vielen Übungsstunden durch die vielen neu hinzugekommenen Ideen (die auch die Azubis fleißig beisteuerten) erfuhr. Jede Veränderung machte das Stück … na sagen wir intensiver und origineller … Jedenfalls frage ich mich jetzt im Nachhinein schon manchmal, ob wir für die endgültige Fassung auch das OK bekommen hätten 😉 .

Das größte Problem war, dass wir so gut wie nie mit allen achtzehn Azubis gemeinsam üben konnten, da immer ein paar in der Berufsschule waren. Aber nachdem das Stück drei Leichen hatte, mussten die Azubis, die die Leichen spielten, beim Üben dann ggf. die fehlenden Azubis ersetzen, oder ein, zwei Azubis mussten Doppelrollen spielen. Das war manchmal ziemlich chaotisch, und dann kam auch noch das nächste Problem: einer der Azubis fiel aus. Was tun? Stück umschreiben? Dann hätten die Azubis wieder neu lernen müssen und uns lief die Zeit davon. Also beschlossen wir, eine der Leichen gegen eine Puppe mit dem unvergleichlichen Namen „Chantal-Jacqueline“ zu tauschen.

Letzten Freitag war dann Weihnachtsfeier. Was die Technik anging: Da hat uns unser Elektriker Flo perfekt unterstützt, nicht nur mit den Raummikros – was ja schon eine Herausforderung ansich war – sondern auch mit den Tatwerkzeugen wie dem blutverschmierten Messer mit „magnetischer Klinge“ und der total echt aussehenden Pistole. Von unserem Koch wurden noch die vergifteten „Killermuffins“ beigesteuert, damit hatten wir dann alles, was wir brauchten. Das Stück war ja immerhin 20 Minuten lang, aber die Azubis waren einfach phänomenal: die ganzen „Schwachstellen“, die wir immer wieder bei den Proben vergeblich versucht hatten auszumerzen (z.B. „Du stehst wieder mit dem Rücken zum Publikum …“), waren verschwunden! Die haben buchstäblich aufgespielt, wie die Profis und das Stück mit so viel Charme und Humor dargestellt, dass ich die Filmkamera vor lauter Lachen meist gar nicht richtig ruhig halten konnte (die Aufnahme ist aber dank der tollen Technik trotzdem gut geworden 😉  ).

Das Publikum (so um die 150 Leute, wenn ich richtig informiert bin) war jedenfalls begeistert und ich war sooo unglaublich stolz auf die Azubis, wie die das rübergebracht haben, das war einfach sensationell 🙂 . Rückblickend staune ich immer noch, wie wir unter solchen Umständen diese Aufführung so abliefern konnten. Einzig der Schluss (die Auflösungsszene, die nur von zwei Azubis nach einer Pause gespielt wurde) war etwas holprig, weil wir nur zweimal ganz kurz heimlich durchsprechen konnten, damit keiner mitbekam, wer denn nun tatsächlich der Mörder war, aber das tat dem ganzen glaube ich keinen Abbruch: Die Darsteller wurden jedenfalls von ihrem Publikum begeistert gefeiert, das war einfach unbeschreiblich!!!

Einmal im Leben sein Stück aufführen zu dürfen, das ist etwas, worüber ich mir nie Gedanken gemacht hatte, worum ich aber jetzt, im Nachhinein, mehr als glücklich und dankbar bin. Das war ein fantastisches Erlebnis, das ich – mitsamt allen Azubis – fest in mein Herz geschlossen habe 🙂 .

24. Dezember 2015