Geschichtenspinner

Manchmal werde ich gefragt, woher eigentlich die ganzen Ideen kommen. Ein früherer Kollege hat es mal recht drollig formuliert: „Ein Mann geht die Straße rauf, dann dreht er um und geht sie wieder runter. Was kann einem dazu schon einfallen?“ Man sagt, Ideen liegen auf der Straße, man muss sich nur bücken, um sie aufzuheben. Okaaaay … Also warum nicht ihn sich z.B. bücken und irgendetwas Ausgefallenes finden lassen 😉 . Aber zugegeben, das Ganze ist jetzt nicht sooo besonders reizvoll.

Die eigentlichen Ideen kommen mir oft aus den einfachsten Momenten heraus. Eine Redewendung, der Fetzen einer Unterhaltung, eine Zeile in einem Song, ein Bild, etwas, das man auf der Straße zufällig aufschnappt …

Die erste Szene, die ich bei Skadlaris schrieb war, wie Coleen vor dem Jäger im Wald geflüchtet ist. Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht mal ansatzweise den Gedanken, eine Drachengeschichte daraus zu machen, ich fand nur die Szene reizvoll, hab sie aufgeschrieben und dann weitergesponnen. Etliche Szenen, die ich im Laufe der Jahre geschrieben habe, sind auch wieder rausgeflogen, sei es, weil sie doch nicht das hergaben, was ich eigentlich gedacht hatte, oder weil sie nicht mehr zu meinen wieder neu aufgetauchten Ideen passten.  Zugegeben, so zu schreiben ist ziemlich chaotisch und vermutlich wäre es weitaus klüger gewesen, sich einen roten Faden zu machen und dann die Geschichte systematisch umzusetzen. Nur liegt mir das einfach nicht – nach wie vor (siehe auch Blogbeitrag Stirb – roter Faden!). Naja, damals hätte ich jedenfalls auch nicht gedacht, dass das mal so eine umfangreiche Story wird 😉 .

Im Prinzip kann man aus den harmlosesten Momenten die verrücktesten Geschichten entstehen lassen. Das ausschlaggebende Wort an dieser Stelle ist für mich „verrückt“ – oder meinetwegen auch spannend, abenteuerlich, nervaufreibend, phantastisch, kurios, … whatever. Warum? Ich persönlich möchte keine Geschichte lesen, bei der es sich nur um die alltäglichen 0-8-15-Einheitserlebnisse handelt. Klar, sicher gibt es Menschen, die lieber das Alltägliche lesen (und das meine ich nicht abwertend, ist halt Geschmackssache), die nichts mit Spannung und Nervenkitzel zu tun haben möchten, aber das sind dann auch die Menschen, die sich sicherlich nicht auf meine kleine Website verirren würden 😉 . Du hingegen, lieber Leser, der du ja anscheinend mein Fantasybuch gelesen hast, tickst vermutlich eher wie ich, oder?

Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass eine Action-Szene die nächste jagen muss. Die Mischung sollte finde ich stimmen. Wenn ich über solche Themen nachdenke, stelle ich mir auch immer die Frage, ob mir das mit meinem Buch eigentlich gelungen ist bzw. ob ich es auch im richtigen Maß bei meinen beiden derzeitigen „Projekten“ umsetze. Es ist relativ leicht, fremde Bücher zu beurteilen, aber zumindest für mich ist es nahezu unmöglich, etwas eigenes, das mir so am Herz liegt, neutral zu betrachten. Ich schätze, die Frage kannst nur du beantworten …

26. Mai 2016